Bewertung des Autors

Das Polartec Power Wool Material ist eines unserer Favoriten auf Tour geworden. Es vereint die von uns sehr lieb gewonnene Merinowolle mit dem Feuchtigkeitsmanagement einer Kunstfaser. Ein Materialmix mit Merinowolle, der nun auch für schweißtreibende Aktivitäten interessant ist.

9
1. Eindruck
9.5
Haptik
8
Wärme-/Gewichtsverhältnis
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Hat man unterwegs einzelne Produkte am Leib, die man im Anschluss vorstellen kann, ist es durchaus auch mal interessant sich mit den jeweiligen Materialien genauer zu beschäftigen. Im Fokus steht nun daher nicht das Mammut Trovat Pro Jacket, sondern das Polartec Power Wool.

Für uns ist so ein Materialtest immer ein spannendes Thema, denn man schaut im Praxistest nicht auf die Stärken und Schwächen eines einzelnen Produkts, sondern schaut gezielt auf die Eigenschaften des neuen Materials. Beim Polartec Power Wool ist es für uns daher eine interessante Aufgabenstellung zu sehen, wie & vor allem auch ob man Schafswolle noch verbessern kann.

Wir sind einerseits bekennende Merinofans, andererseits gehört d as Polartec Power Stretch Pro zu unseren ganz besonderen Materiallieblingen. Sei es im Houdini Power Houdi oder damals noch im Marmot Vars Hoody, Polartec Power Stretch Pro ist bis dato eine klasse Innovation gewesen und aus unserer Sicht ideal bei Pausen auf Trekkingtouren, beim Bouldern oder eben beim Radfahren an kühlen Tagen. Durch die glatte Oberfläche sah es obendrein auch deutlich schöner aus, als manch eine klassische Fleecejacke. Lediglich für den langen intensiven Gebrauch war das Material irgendwann empfänglich für Gerüche und machte der Kunstfaser alle Ehre.

Polartec Power Wool

Mit Polartec Power Wool hat man nun ähnliches am Leib. Rein von der äußeren Haptik würde man vielleicht beide Stoffe nicht direkt unterscheiden können und doch ist die Zusammensetzung eine ganz andere. Statt reiner Kunstfaser besitzt nun Polartec Power Wool natürliche Schafswolle. Was dieser Wechsel jedoch für den eigentlichen Tragekomfort bewirkt sieht man jedoch erst, wenn man sich genauer mit den Materialeigenschaften und seinem Aufbau beschäftigt. Funktionstextilien aus Kunstfaser bieten in der Regel einen besseren Feuchtigkeitstransport. Polyesterfasern müffeln jedoch bereits schneller als z.B. Baumwolle. Grund ist wohl hierfür, dass die Mikrokokken, die Bakterien, die für den Schweißgeruch verantwortlich sind, scheinbar durch die Beschaffenheit der Oberfläche der Polyesterfasern schneller wachsen können, als eben bei Wolle. Dementsprechend verbindet man im Alltag gern durch die Erfahrungen beim Sport verschwitzte Textilien mit Polyester. Merino oder anders gesagt Schafswolle lastet dieser Nachteil nicht an, denn Wolle ist bereits natürlich geruchshemmend. Wer auf Trekkingtouren seine Merinobekleidung täglich getragen hat und ihr auch mal die Gelegenheit zum Lüften gegeben hat, wird diesen Vorteil schon erleben dürfen. Selbst nach Tagen müffeln die Mid- und Baselayer nicht.

Polartec Power Wool im Praxistest 0004

Ein Blick auf den Aufbau von Polartec Power Wool offenbart jedoch, dass man nicht beide Fasern sturr vermischt hat, sondern einen zweischichtigen Aufbau gesucht hat. Innen trägt man bei Polartec Power Wool Schafswolle. Diese sorgt nicht nur für Wärme, sondern eben auch für ein besseres und deutlich angenehmeres Mikroklima. Auf Bergtouren vielleicht schon mal selbst bei Wollbekleidung gegenüber Kunstfaser erlebt, dass man bei schweißtreibenden Anstiegen und dem Wechsel in die Sonnenabgewandte und kühlere Hangseite mit Wollbekleidung deutlich angenehmer gekleidet war. Dies mag z.B. daran liegen, dass die Wolle auch noch im nassen Zustand wärmt und noch feuchte Kunstfaser sich in so einem Fall unangenehmer und kühler anfühlen kann, eben immer abhängig davon, wie schnell die vorliegende Kunstfaser nach den Anstiegen getrocknet ist. Die Hybrid-Konstruktion von Polartec Power Wool schafft nun den Spagat aus Wärme selbst bei Nässe durch die Innenseite aus Wolle und zugleich aus einem besseren Feuchtigkeitsmanagement durch die Außenseite aus Kunstfaser. Die Feuchtigkeit von der Merinowolle trifft nun auf der Außenseite auf eine hydrophobe synthetische Faser, wodurch eine schnellere Trocknungszeit ermöglicht wird. Wie es sich auf Tour bewährt hat, offenbarte nun der Langzeittest.

Power Wool™ Technology - Credits: Polartec

Power Wool™ Technology – Credits: Polartec

Polartec Power Wool im Praxistest

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Das Mammut Trovat Pro ML Jacket hatten wir nun über mehrere Wochen im täglichen Einsatz beim Wandern, im Alltag, beim Radfahren und auf Reisen. So vielseitig die Einsatzmöglichkeiten des Polartec Power Stretch sind, so sind diese ebenso vielseitig beim Polartec Power Wool. Ehrlich gesagt, steht man nun vor einer Zwickmühle, denn allein der Houdini Power Houdi genießt mit seinem herrlichen Material bereits Kultstatus und es gibt wohl noch kaum jemanden, der nicht mindestens einen dieser Hoody besitzt. Warum gerade der Houdini Power Houdi diesen Status besitzt, können wir nicht erklären, es ist jedoch das Produkt aus Polartec Power Stretch, welches in unserer Wahrnehmung bereits die längste Zeit auf dem Markt ist und nahezu in jedem Jahr mit neuen Farben, Muster und Längen gibt. Nun präsentiert sich das Polartec Power Wool jedoch in ähnlicher Form zum Polartec Power Stretch Pro, nur dass die Jacke auch noch nach so intensivem Gebrauch nicht riechen mag. Bleibt zu hoffen, dass es das Polartec Power Wool ebenfalls in einem so beliebten Produkt geben wird.

Polartec Power Wool im Praxistest 0001

Der Tragekomfort vom Polartec Power Wool ist eigentlich in jeder Situation angenehm gewesen. Vielleicht an den warmen Tagen noch etwas zu warm, aber bei wärmender Wolle auf der Innenseite sollte man sich nicht beschweren, dass die Jacke in der Tat wärmt. Umso schöner ist es nun, wenn draußen die ersten Boten von Raureif sichtbar sind und die Temperaturen sich ins winterliche bewegen. Hier ist das Material in seinem Element, denn der Mix bietet nun die extra Portion Wärme einer Fleecejacke auf Wanderungen und zugleich die bessere Wahl, wenn die Fortbewegung sportlicher wird. Für reine Ausdauersportarten ist das Material allein schon zu warm für diese Jahreszeit, es dürfte aber durchaus interessant sein für sportliche Aktivitäten im Winter. Kam man bereits bei kleinen sportlichen Unternehmungen oder Anstiegen ins Schwitzen, so ist dies natürlich mit einem feuchten Gefühl auf der Haut nicht verborgen geblieben, jedoch ist das angenehme Tragegefühl jener Base-/Midlayer aus Merino spürbar. Es ist kein Werbeversprechen, wenn man behauptet, dass man mit feucht gewordener Merinowolle immer noch gewärmt wird. Entgegen der klassischen Merinobekleidung trocknet Power Wool nun sichtbar schneller. Ein unfreiwilligen Test, den man z.B. ganz gut selber verfolgen kann, ist der, wenn die Feuchtigkeit in Form von einzelnen Tropfen nicht von innen, sondern eben durch einzelne Regentropfen von außen kommt. Hier sieht man sehr gut, wie sich der einzelne Tropfen auf dem Oberflächenstoff ausbreitet und zugleich wie schnell das Material wiederum getrocknet ist. Auf der Innenseite bleibt es weiterhin angenehm warm und der gute Tragekomfort erhalten.

Fazit

Das Polartec Power Wool Material ist eines unserer Favoriten auf Tour geworden. Es vereint die von uns sehr lieb gewonnene Merinowolle mit dem Feuchtigkeitsmanagement einer Kunstfaser. Mit anderen Worten, es macht die Merinowolle nun auch für schweißtreibende Aktivitäten interessant, da Feuchtigkeit weg vom Körper geleitet wird und schnell verdunsten kann. Das Besondere hierbei ist jedoch, dass es nun auch auf mehrwöchigen Touren durch den Wollanteil eben keine Gerüche abgeben wird.