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Wenn es im Outdoorbereich etwas gibt, das alle Menschen miteinander vereint, so ist es der Wunsch nach wenig Gepäck auf Reisen. Beim normalen Urlaub ist es der überfüllte Koffer und die Waage der Fluggesellschaft, die wie ein Damoklesschwert über einem schwebt. Man ist bestrebt, ein bestimmtes Gewicht zu unterbieten und zugleich mag man auf Reisen auf kein Kleidungsstück verzichten. Auf Tour ist es hingegen der eigene Rücken und die Gelenke, die unterwegs mit dem Rucksack einer großen Leidenszeit ausgesetzt sind und die traditionell den Wunsch entfachen, bei der nächsten Tour einen leichteren Rucksack zu tragen.

Aus diesem Wunsch heraus entstanden ist vor Jahren das immer populärer werdende Ultralight Trekking. Mag man es beschreiben, so würde man es vielleicht als eigenständige Disziplin im Trekkingbereich bezeichnen. Eine Sportart, bei der man sich untereinander messen kann, aber auch ein Praxiseinsatz mit vielen sinnvollen Betrachtungswinkeln. Man schaut in seinen Vorplanungen zu einer Trekkingtour nicht mehr nur auf den Wegverlauf, den Übernachtungsplätzen oder grob, was man vielleicht mitnehmen muss und wie man sich unterwegs eventuell versorgen kann. Es ist eine Betrachtung der Effizienz seiner eigenen Ausrüstung und eben auch der Bekleidung. Interessanterweise beschäftigt man sich auch noch lange vor bzw. nach einer Tour eben mit genau dieser Effizienz und Notwendigkeit seiner Ausrüstung und Outdoorbekleidung.

Ultraleicht Trekking  009

Das Trekking Ultraleicht kann man sportlich sehen und wie im Leistungssport z.B. Messlatten oder Maßstäbe brechen. Beim Ultralight Trekking gibt es hierfür sogar zwar Messlatten zu unterbieten, Wir sprachen mit Blick auf Reisen zuvor von der Waage der Fluggesellschaft, aber auch beim Ultraleicht Trekking steht die Waage im Vordergrund und so wäre man bereits ultraleicht unterwegs, wenn das Rucksackgewicht, abzüglich Verbrauchsgüter wie Nahrung, Brennstoff und Wasser die 5 Kilogramm-Marke nicht überschreitet. Dies mag vielleicht etwas abschrecken, wandert man vielleicht selber mit mehr als 15 Kilogramm, dorthin zu gelangen ist jedoch leichter als man denkt. Unterhalb dieser 5 kg Marke gibt es aber auch noch eine weitere Marke von 2,5 kg. Wer diese unterschreitet und da gibt es zahlreiche Experten, so spricht man von Super-Ultralight (SUL) Trekking.

Den größten Reiz beim Ultraleicht Trekking machen aber nicht nur die Messlatten aus, sondern die jeweiligen Betrachtungswinkel. Im Alltag schauen wir oftmals auf Verbrauchswerte. Wir schauen auf die Energieeffizenzklassen, hin und wieder auf die Nährwertangaben und sicherlich auch auf den Preis. Wie ist es jedoch bei der Ausrüstung und Bekleidung für Trekkingtouren? Sicherlich hat man sich schon mal dabei erwischt, dass man nach Marke oder Optik gekauft hat, beim Ultralight Trekking steht aber wiederum ebenso der Effizienzgedanke im Vordergrund. Nun wollen wir hier weniger auf die Testsieger der jeweiligen Produktkategorie schauen, da dies immer eine Momentaufnahme darstellt, wir schauen nachfolgend lieber auf ein paar dieser Betrachtungsansätze, die heute und auch noch in vielen Jahren helfen sollen, den Traum eines leichten Rucksacks zu erfüllen.

Trekking Ultraleicht

Natürlich gibt es beim Leichtgewichtswandern noch viele weitere Punkte zu optimieren, den vielleicht interessantesten Ansätzen haben wir uns hier nun mal gewidmet und geschaut, wie man bei der einen oder anderen Produktgruppe die Spreu vom Weizen trennen kann.

Unsere Literaturtipps zum Thema

 

Leichte Ausrüstung

Zelt – Gewicht pro Quadratmeter

Im Alltag schauen wir bei der Wohnungssuche auf den Mietpreisindex. Wir schauen bei verschiedenen Orten auf den Quadratmeterpreis und entscheiden letztendlich auch damit, ob die Wohnung günstig oder teurer im Vergleich zu anderen Objekten. Es ist eigentlich sehr naheliegend, dass man auch beim Ultraleicht Trekking eben genau diesen Ansatz übernimmt, nur dass die monatliche Belastung pro Quadratmeter der Frage weicht, wie viel Gramm muss ich pro Quadratmeter schleppen? Hiermit haben wir eine schöne allgemeine Aussage und zugleich etwas, was man bei jeder Zeltart anwenden kann, sei es beim konventionellen Zelt oder eben beim Tarp.

 

Schlafsack – Gewicht im Verhältnis zur Temperaturleistung

Auch beim Schlafsack gibt es einen leichten Ansatz, den man auch im Alltag vorfindet. Man kann natürlich auf Größe und Packmass achten, vielleicht sich auch schon naheliegend am Gewicht orientieren, wie effizient der Schlafsack jedoch ist, bekommt man bei Berücksichtigung seiner Wärmeleistung präsentiert. Ähnlich dem Quadratmeterpreis in Form seines Gewichts beim Zelt, blickt man auch beim Schlafsack darauf, wie viel Gramm ein Schlafsack für jedes Gramm Temperaturleistung benötigt. Ist das Gewicht im Rucksack der Kompromiss für die Wärmeleistung in der Nacht, so mag man natürlich denjenigen Schlafsack wählen, der besonders warm hält und zugleich in Anlehnung an seine Wärme am wenigsten wiegt.

Isomatte – Weniger ist mehr

Bei der Isomatte lässt sich durchaus auch Gewicht sparen. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von selbstaufblasbaren Matten und so hat man wahrlich die Qual der Wahl. Einen guten Orientierungspfaden im Dschungel der Isomatten ist der jeweilige R-Wert. Der R-Wert beschreibt den jeweiligen Temperaturbereich und so lässt sich vielleicht am ehesten sagen, dass man bei der Isomatte das meiste Gewicht spart, wenn man auch hier R-Wert und Gewicht vergleicht. Man selbst neigt dazu, auch noch die Mattenhöhe zu berücksichtigen, da sich auf einer hohen Matte deutlich angenehmer schlafen lässt. Wer sich anhand eines Grammjägers orientieren möchte, der nimmt gern auch mal zwei verschiedene und kleinere Isomatten statt einer Matte bzw. eine Matte, bei der auf überflüssige Mattenbereiche bereits verzichtet wurden. Für den ersten Einstieg zum leichteren Rucksack soll aber eine leichte, selbstaufblasbare Isomatte für den Anfang reichen.

Kocher – Nicht der leichteste und schnellste Kocher muss die beste Entscheidung sein

Es gibt eine Vielzahl an Kocherarten, Brennstoffe und natürlich auch abweichende Tourlängen. Pauschal lässt sich nicht immer beantworten, dass auch direkt der leichteste Kocher gemäß der Datenblätter auch in der Outdoorküche die beste Wahl darstellt. Auch wenn die Messlatte des Ultraleicht Trekking mit 5 kg nur das reine Rucksackgewicht abzüglich Verbrauchsgüter berücksichtigt, sollte man diese Punkte bei der Wahl nicht vergessen. Die Tourlänge, die Wetterverhältnisse der Heizwert des Brennstoffs und natürlich auch seine Verfügbarkeit im Tourverlauf können jeweils beeinflussen, ob der „leichteste Kocher“ zugleich auch die beste Wahl darstellt. Auf einer klassischen Trekkingtour in Skandinavien gibt es mit Blick auf diese Bewertungen unter Umständen eine andere Kocherwahl, als bei einer Wochenendtour in der näheren Umgebung. Auf den Energiegehalt geschaut, also auf die Wärme pro Gewichtseinheit, ist der Gaskocher durchaus eine gute Wahl und so sollte man sich bei der Wahl nach einem geeigneten Kocher nicht nur am Eigengewicht, sondern eben auch am Brennstoffverbrauch orientieren. Lange Touren lassen sich aber auch mit Spiritus gut durchführen, vorausgesetzt man hat auf seiner Langstreckenwanderung immer mal wieder „Zivilsationskontakt“ und kann seine Brennstoffvorräte auffüllen. Die Vorteile von Spiritus kann man darin sehen, dass z.B. die Dosenkocher selber nur ein Bruchteil eines Gaskochers wiegen und man entgegen der an sich selber schon schweren Gaskartusche einen deutlich leichteren Behälter für Spiritus nehmen kann. Selbst eine leere Gaskartusche wiegt in der Regel noch deutlich mehr, als vergleichbares im Spirituseinsatz. Wer auf das schnelle Kochen mit Gas verzichten kann, der findet mit Spiritus die leichteste Wahl.

Rucksack – Fassungsvermögen im Verhältnis zum Gewicht

Das Trekking Ultraleicht ist per se kein Trend dazu, dass man unnötige Ausrüstungsgegenstände mitnimmt. In der Regel schaut man nach jeder Tour, ob die Ausrüstungsgegenstände, die einem unterwegs begleitet haben, auch tatsächlich benötigt wurden oder eben auch, wie effektiv sie als solche in Relation zu anderen Produkten sind. Eine Spirale nach unten zu einem immer kleiner werdenden Rucksackinhalt hat dies letztendlich zur Folge und auch beim Rucksack lässt sich dies sehr gut erkennen und anwenden. In diesem Moment kann auch der eigentliche Rucksack in den Fokus rücken.

Lange Jahre gab es immer aufwendigere Tagegestelle für immer höhere Lasten. Lässt man den Inhalt des Rucksacks auf Tour außen vor, so ist man allein mit einem Trekkingrucksack schon mal bei 2-3 kg Eigengewicht, das unabhängig von Kocher, Schlafsack und Zelt immer auf den Schultern bzw. Hüfte lastet. Wer den Traum eines leichteren Rucksacks hat, der hat sicherlich diese Touren erlebt, in denen unterwegs der Rücken schmerzte und die Gelenke sich bei jedem Schritt zu Wort gemeldet haben. Trekking Ultraleicht ist dabei der Weg vom schweren Rucksack mit aufwendigem Tragegestell hin zum leichtesten Rucksack, bei dem das größte Fassungsvermögen dem geringsten Gewicht entspricht. Mit schwindendem Rucksackgewicht und durch eine richtige Lastenverteilung bzw. strenge Packordnung wird man auch zukünftig sein altes Tragegestell nicht vermissen.

Funktionelle Outdoorbekleidung

Bekleidung – Stets eine Momentaufnahme

Im Kleidungsbereich ist „leichte Outdoorkleidung“ stets eine Momentaufnahme. Jahr für Jahr gibt es neue Technologien und neue Stoffe, damit ebenfalls verbunden auch geringere Werte beim Gewicht pro Quadratmeter. Es lohnt sich jedoch als Umdenker vom klassischen Trekking hin zum Trekking Ultraleicht, sich mal seine eigene Bekleidung anzuschauen. Oftmals lassen sich gerade bei der vorhandenen Bekleidung die Optimierungsansätze wunderbar erkennen. Beim Trekking Ultraleicht ist die Devise „Funktional statt minimal“. Schaut man z.B. rein auf die Funktionen, so ist gerade hier das ein oder andere Umdenken im Kopf notwendig.

Softshell oder Windbreaker

Den wohl größten Sprung kann man im Bereich des Windschutzes erleben. Zugegeben, man ist seiner Softshelljacke auf manchen Touren oder im Alltag immer noch treu geblieben. Schaut man jedoch auf das „Kosten/Nutzen“, so muss man sich eingestehen, dass man mit einem großen Verbraucher am Leib unterwegs ist. Die klassische Softshelljacke dürfte bei 400 g beginnen und gern auch schon mal deutlich mehr wiegen, der leichtere Windbreaker aus Pertex Quantum GL mit unter 100 g Eigengewicht hat sicherlich eine gewöhnungsbedürftige Haptik, leistet im Endeffekt aber den gleichen Schutz vor Wind und leichtem Nieselregen, wie eben die Softshelljacke. Klassiker wie die federleichten Jacken von Montane oder eben unser Liebling, das adidas terrex™ Zupalite Jacket werden sich wohl langfristig auf Tour durchsetzen.

Regenjacken

Eine Frage des Rucksackgewichts und zugleich auch der persönlichen Angewohnheiten ist mit der Wahl der Regenjacke verknüpft. Auch hier lassen sich die Gewichte reduzieren, man sollte jedoch darauf achten, wie oft man auf Tour die Jacken trägt bzw. eben auch, wie schwer der Rucksack ist. Manch eine der leichteren Hardshells verträgt sich nicht mit einem schweren Rucksack. Auch der dauerhafte Einsatz beim Trekking hinterlässt seine Spuren. Ist man aber schon mit einem leichten Rucksack unterwegs oder nutzt die Jacke ausschließlich nur im Regen, kann man auch hier einiges einsparen. An die ungewöhnliche Haptik des in der Regel Pertex Stoffes muss man sich aber auch hier gewöhnen. In der Regel ist man über die Jahre hinweg daran gewöhnt gewesen, dass sich die Jacke auf der Innenseite weicher oder eben auch dicker präsentiert, schaut man jedoch auf den reinen Wetterschutz auf verregneten Etappen, so ist auch die ultraleichte Regenjacke der schweren Jacke ebenbürtig.

Isolation

Eine sehr gute Entwicklung erlebt man im Daunenbereich, denn hier gibt es nun seit geraumer Zeit den Trend zu beobachten, dass nun auch die Daune wasserunempfindlich ist. War Daune im Vergleich zur Kunstfaser schon immer die leichtere, wärmere und kleinere Alternative auf Tour, schwebte immer das Feuchtigkeitsproblem über diesen Produkten. Mit den hydrophoben Daunen sollte man sich erst recht mit dem Thema der Daunenbekleidung statt Kunstfaser beschäftigen und erlebt ähnlich beim Schlafsack beim Gewicht im Verhältnis zur Temperaturleistung reichlich Optimierungspotential.

Fazit

Wie auch immer man sich mit dem Thema Trekking Ultraleicht beschäftigen mag, ob man nur für sich persönlich seine Packlisten optimiert oder bereits mit anderen Wanderern im sportlichen Wettstreit ist, bleibt jedem selber überlassen. ob man sich im gemäßigten Rahmen mit seiner Ausrüstung und Outdoorbekleidung auseinander setzt,

Für uns ist das Thema faszinierend, das es nicht nur auf den Trekkingbereich beschränkt sein muss. Auch beim Radwandern geht es ultraleicht oder selbst auf Reisen ist man mit der einen oder anderen Betrachtung bzgl. Kleidung und Ausrüstung komfortabler unterwegs.