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Made in Germany –

trotz Flut bleibt Yeti seiner Heimat Görlitz treu

Kay Steinbach vom Outdoor-Spezialisten Yeti beugt sich zufrieden über die neue Daunenfüllanlage, an der gerade ein Schlafsack der Sunrizer-Linie sein Innenleben erhält. Ein weiter, oft mühsamer Weg war es: von der alten Manufaktur am Ufer der Neiße bis zur neuen Produktionsstätte am Görlitzer Gewerbering – auch wenn die beiden Fabriken geografisch nicht weit voneinander entfernt liegen. Letzten Sommer vernichtete eine Flutwelle die Produkte und fast auch das junge Unternehmen selbst. Aber Yetis sind zäh. Mit unglaublichem Engagement kämpften die Mitarbeiter für ihre Firma; das Ergebnis kann man in der neuen Produktionsstätte, die bereits auf Hochtouren läuft, bewundern.

Bild: Yeti

Bild: Yeti

7. August 2010, 19.12 Uhr

Diesen Tag werden Kay Steinbach und seine Mitarbeiter nicht mehr vergessen. Um 19.12 Uhr kam der Alarm vom Landratsamt, dass eine Flutwelle von Polen heranrollt und die Bevölkerung in Görlitz sich umgehend in Sicherheit bringen soll. Nicht in Sicherheit bringen konnten sich die Schlafsäcke und Daunenjacken in der Manufaktur. Es bot sich ein Bild des Grauens – durchnässte Ware, zerstörte Maschinen, geflutete Computer.

Zwei Optionen gab es: Sich weinend in einem nassen Schlafsack zu verkriechen oder Ärmel hoch und zupacken. Kay Steinbach und sein Team entschieden sich für die zweite Variante. In der ehemaligen DDR konnte man eines lernen: Improvisationsgeschick und Organisationstalent. Diese Talente waren auch jetzt hilfreich: Kurzerhand räumten die Yeti-Mitarbeiterinnen Conny Buhse und die schwangere Linda Schulze Zimmer in ihren Wohnungen frei, um dem obdachlosen Yeti ein Heim zu bieten und den Customer Service am Laufen zu halten. Die „Daunenfee“ Ingrid Melzer stellte trotz ihrer über 60 Jahre einiges auf die Beine und half bei der Installation und Optimierung der Maschinen aktiv mit. Lagerleiter Alex Gehdt pendelte regelmäßig von Görlitz nach Quickborn, um die Yeti-Lieferungen sicherzustellen. Yeti lagerte die Produktion kurzfristig nach Slowenien aus, aber immer mit dem Ziel der baldigen Rückkehr. Eine halbe Million Euro und unzählige Überstunden später war es dann geschafft. Auch die Händler glaubten weiter an

„Made in Germany“, und die Firma Yeti wurde für den „Großen Preis des Mittelstandes“ nominiert. Die Mühe hat sich gelohnt!

Bild: Yeti

Bild: Yeti

28. März 2011, 9.03 Uhr

Die Frauen starten ihre Maschinen, die Morgensonne lässt alles noch sauberer und neuer aussehen in der neuen Produktionsstätte: hochmoderne Daunenfüllanlagen und Nähmaschinen auf 500 Quadratmetern, die bis Mai um fast das Doppelte erweitert werden. Schon jetzt werden 40 bis 60 Schlafsäcke pro Tag mit vier verschiedenen Daunenarten befüllt, was weltweit einzigartig ist. Yeti kann eben alles – aber immer mit Daune! Die alte, geschichtsreiche Manufaktur aus rotem Backstein hatte zwar mehr Atmosphäre als der nüchterne Zweckbau im Gewerbegebiet Görlitz, dafür sind die Räume hochmodern und hell und bis in den dritten Stock reicht die nächste Flut bestimmt auch nicht.

Bild: Yeti

Bild: Yeti

Ramona Krischer prüft den Sunrizer-Schlafsack Zentimeter für Zentimeter, bis sie ihn schließlich zufrieden für perfekt befindet. Bei dem hellen Licht entgeht ihr nicht der allerkleinste Fehler! Und das ist auch gut so, denn die Auftragsbücher sind voll, Kunden in Deutschland, Skandinavien, China und Japan warten sehnsüchtig auf ihren Yeti. Mit bis zu 265 Gramm sind Yeti-Schlafsäcke die leichtesten der Welt – und trotzdem nicht unterzukriegen! Sie haben den härtesten Praxistest der Welt heil überstanden – das bisschen Flut konnte ihnen nichts anhaben.

Bilder & Quelle: Yeti