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Credit © Bernisches Historisches Museum

In der heutigen Zeit ist alles bestückt mit einer Vielzahl von Technologien und so wundert man sich immer wieder einmal in den Warenangeboten der Outdoorshops, wieviele Patente und Technologien allein schon bei Socken vorhanden sind. In der Outdoorbekleidung ist die Mehrzahl der Produkte dabei eher unnatürlicher und vorallem technischer geworden. Heutzutage muss es immer die dreilagige Hardshell sein, die warme Daunenjacke mit hydrophoben Daunen usw. Blickt man zurück auf die Wanderbekleidungen der voherigen Generationen, so ist auch hier schon ein Unterschied zwischen Tag und Nacht zu entdecken, wobei man sich heutzutage kaum noch vorstellen kann, dass man mit der väterlichen Ausrüstung in die Berge gehen würde. In diesem Kontext wollen wir Euch mal auf eine vom Thema nach zu urteilende, sehr interessante Ausstellung präsentieren.

Weidenbast und Ziegenleder statt Fleece und Gore-Tex

Die Ausrüstung eines jungsteinzeitlichen Jägers und moderne Bergsportbekleidung im Vergleich

Pfahlbauer Schindi in der aktuellen Ausstellung - Fotocredit © Bernisches Historisches Museum

Pfahlbauer Schindi in der aktuellen Ausstellung – Fotocredit © Bernisches Historisches Museum

 

Das Bernische Historische Museum zeigt vom 3. April 2014 bis 11. Januar 2015 die Ausstellung «Die Pfahlbauer – Am Wasser und über die Alpen» (Informationen zur Ausstellung unter www.bhm.ch). Ein Highlight der Ausstellung sind die archäologischen Gletscherfunde vom Schnidejoch – Fragmente der Ausrüstung eines jungsteinzeitlichen Jägers –, die erstmals öffentlich gezeigt werden. Diese Kleidungsreste beweisen, dass bereits vor 5000 Jahren Menschen im Hochgebirge unterwegs waren – mit weitaus primitiverer Ausrüstung, als wir sie in Zeiten des Gore-Tex kennen. Wirklich?

Hightech-Bergschuhe, wind- und wasserdichte Regenjacken, atmungsaktive Softshellpullover, Funktionsunterwäsche, Teleskop-Trekkingstöcke, Rucksäcke mit belüftetem Rückensystem: Wer sich heute in die Berge begibt, scheint um professionelles Equipment nicht herumzukommen. Umso erstaunlicher ist es, die Ausrüstung des jungsteinzeitlichen Jägers «Schnidi» zu untersuchen, der bereits vor 5000 Jahren in Eis und Schnee wanderte: Wie konnte er mit den damaligen Möglichkeiten den beschwerlichen Marsch vom Berner Oberland ins Wallis absolvieren? Besteht sein Equipment den Vergleich mit moderner Sportbekleidung?

Weidenbast und Ziegenleder statt Fleece und Gore-Tex

Dank der Gletscherfunde vom Schnidejoch kann man heute nachvollziehen, mit welcher Ausrüstung sich «Schnidi» um 2800 v.Chr. auf die Wanderung über den Pass machte: Fragmente eines Umhangs aus Weidenbast, Teile eines Hosenbeins aus Ziegenleder sowie Reste eines Lederschuhs lassen Vermutungen zu, wie es ihm bei diesem alpinen Marsch erging.

Fragment seines Lederschuhs - Fotocredit: © Archäologischer Dienst des Kantons Bern

Fragment seines Lederschuhs – Fotocredit: © Archäologischer Dienst des Kantons Bern

Seine Kleidung aus Ziegenleder war für heutige Massstäbe kaum atmungsaktiv und transportierte den Schweiss nur sehr schlecht von der Haut weg. Sie war zudem um einiges schwerer als moderne Funktionskleidung und trocknete sehr viel langsamer. Aber vor Kälte und Wind war «Schnidi» dank seiner Lederkleidung recht gut geschützt. «Schnidis» Umhang aus Weidenbast schneidet punkto Funktionalität gar nicht schlecht ab: Das sehr leichte Geflecht aus Baumbast war isolierend, wasserabweisend und hielt den Träger warm und trocken. Es war ausserdem vielseitig einsetzbar: als Umhang, Decke oder Schlafsack. In «Schnidis» Schuhen wiederum würde man heute keinen Berg erklimmen: Das Leder war weder wasserdicht noch halten die jungsteinzeitlichen Schuhe in Sachen Griffigkeit und Stabilität dem Vergleich zu moderner Ausrüstung stand.

Alles in allem können sich Alpinisten heute wohl sehr viel komfortabler und zweckmässiger kleiden als «Schnidi» vor 5000 Jahren – es wäre ja auch erstaunlich, wenn man in all dieser Zeit nichts dazugelernt hätte.

Bilder & Quelle: Bernisches Historisches Museum | Archäologischer Dienst des Kantons Bern