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Jeder Anfang ist schwer und so steht man vor seiner ersten Übernachtung im Freien meist vielen Problemen gegenüber. Kleinere Wandertouren oder Radstrecken hat man vielleicht sehr gut gemeistert, die ersten mehrtägigen Touren sind jedoch immer eine Herausforderung, wenn man noch gar nicht richtig weiß, was man unterwegs so benötigt.

Ausstattung zum Übernachten im Freien

Auch nach vielen Jahren auf Tour gehört zur Tourvorbereitung immer wieder dazu, dass man sich in Form von Packlisten mit der notwendigen Ausrüstung und Bekleidung beschäftigt. Marcel von ausgerüstet.com hat die aus unserer Sicht beste Packliste im Excel Format entworfen, in der man nicht nur Ordnung in seine Ausrüstung und Bekleidung bringen kann, sondern sich die jeweiligen Gewichte anschaulich präsentieren lassen kann. Mit der digitalen Packliste kann man darüber hinaus auch die eigene Ausstattung optimieren und so nicht nur die Ausstattung zum Übernachten im Freien als eigenständige Liste anlegen, sondern für jede einzelne Outdoorunternehmung, ob allein oder in der Gruppe, seine Liste erstellen.

Nichts kann einem jedoch mehr den letzten Nerv rauben, als die eigene Ausrüstung für Touren im Rucksack oder in den Packsäcken zu verstauen. Am Anfang macht man gern den Fehler und nimmt letztendlich alles mit, was man nur so in die Finger bekommt. Betrachtet man die Masse der Gegenstände vor dem Rucksack und dem Platzangebot eben dieser Tasche gleicht es immer wieder einem Wunder alles darin verstaut zu bekommen. Es ist daher unerlässlich, dass man sich nach der jeweiligen Tour auch noch einmal mit der eigenen Packliste beschäftigt und kritisch auf die jeweiligen Produkte schaut, ob man diese nun unterwegs tatsächlich benutzt hat oder ob sie eher nur Ballast gewesen sind.

Tipps zum Packen

Auf Basis der eigenen Touren und der Outdoor-Handbücher aus dem Conrad Stein Verlag bzw. dem Buch „Kompakt & Visuell – Wandern“ aus dem Dorling Kindersley Verlag sollten jedoch nachfolgende Ausrüstungspunkte nicht dem Rotstift zum Opfer fallen:

Schlafsack & Isomatte

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Ein Schlafsack ist natürlich unersetzlich, nur kann man dort natürlich gern mal den falschen Schlafsack wählen. Die aktuellsten Schlafsäcke bekommt man z.B. in Hülle und Fülle auf schlafsack.net aufgelistet und der erste Blick verrät, dass nicht jeder dieser Schlafsäcke für Eure Touren in Frage kommen. Wichtig ist jeweils der Blick auf die Wetterprognose für die Nächte in Eurer Tourenregion und der damit verbundene Blick auf den Komfortwert des jeweiligen Schlafsack. Grundsätzlich gab es die Faustregel, dass man sich Reserven von bis zu 10°C beim Schlafsack gönnen sollte, da die Wärmeleistung mit der Zeit nachlässt. Daunenschlafsäcke haben dieses Problem besonders ausgeprägt. Da die Daunen mit der Zeit ihre Bauschkraft und somit ihre Leistung verlieren, muss man den Schlafsack am Morgen ordentlich trocknen. Freuen darf man sich als Daunenschlafsack-Besitzer jedoch über ein verschwindend geringes Packvolumen im direkten Vergleich zu einem Kunstfaserschlafsack, so dass ein Daunenschlafsack für uns der absolute Tipp zum Packen darstellt. Verstaut im Bodenfach ist der Daunenschlafsack klein genug, um neben sich noch weitere Produkte wie die Daunen- oder Primaloftjacke zu dulden. An eine Isomatte sollte man ebenfalls denken, zu welcher man jeweils tendieren mag, ist wiederum Frage der eigenen Komfortwünsche. Packmass und Gewicht sollte man aber auch hier nicht aus den Augen verlieren, erst recht nicht, wenn es mit Matten von Therm-a-Rest und Exped schon sehr leichte und warme Matten gibt, so dass es keinen Grund mehr gibt, die klassische Luftmatratze aus dem Strandurlaub zu verwenden.

Zelt

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Das Zelt ist neben dem Schlafsack ein Posten, der für Gewicht im Rucksack und größeren Volumenbedarf sorgt. Anders als beim Schlafsack, wo man anfänglich vielleicht mit dem Kunstfaserschlafsack auf Tour gewesen ist und den Posten durch einen adäquaten Daunenschlafsack optimieren kann, gibt es beim Zelt deutlich weniger Potential. Es sollte grundsätzlich nicht zu schwer sein und so lohnt es sich oft, dass man mal auf die Materialien schaut. Die Firma Wechsel-Tents bietet z.B. ihre Modelle in zwei Varianten, der ZG und der Travelline Reihe an. Die Proportionen sind identisch, nur die Materialien für die Außenhaut und gegebenfalls dem Zubehör sind verschieden. Für Trekkingtouren lohnt es sich daher, dass man auf die Materialien und das Gestänge der jeweiligen Zelte schaut. Manche Zelte haben z.B. kein eigenständiges Gestänge und lassen sich ebenso mit Trekkingstöcken aufbauen. Schauen sollte man jedoch auch auf die jeweiliegn Eigenarten der Tourregion, denn nicht immer stehen einem unterwegs genügend Platz zur Verfügung oder der Untergrund in Schweden (z.B. Ostkustleden) fordert ein selbststehendes Zelt heraus. Als schwerer und sperriger Posten ist das Zelt auch direkt am Rücken zu verstauen.

Verpflegung & Kocher

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Schlechte Stimmung aufgrund der Verpflegung mag man unterwegs nicht riskieren. Die Verpflegung auf Tour ist neben guter Wetterschutzbekleidung und einem warmen Schlafsack massgeblich daran beteiligt, dass man sich unterwegs wohlfühlt. Das Gewicht und das Packmass sollte man aber auch hier nicht aus den Augen verlieren und so landet man unweigerlich bei der Tütennahrung statt frischer Zutaten. Der Vorteil ist vorallem darin zu sehen, dass man die Tüten sehr gut in die oftmals vorhandenen Lücken in den Taschen schieben kann bzw. sie aufgrund ihrer Konsistenz vorallem auf sehr langen Touren durch Ihre längere Haltbarkeit punkten. Die Outdoorküche sollte wiederum ebenso auf die Verpflegung abgestimmt sein, denn nicht jeder Kocher eignet sich für jede Art des Kochens. Die Jetboil Kocher sind z.B. unsere Favoriten für die Zubereitung von Tütennahrung, kocht man jedoch im Topf, so wäre der Primus EtaSpider unsere erste Wahl für kleinere Gruppen. Wie auch das Zelt verstaut man den Kocher nah am Körper.

Verbandsmaterial

Auf das Erste-Hilfe-Set mag man aus unserer Sicht vorallem auf langen Touren nicht verzichten. Es ist zwar nicht nur Ausstattung zum Übernachten im Freien, sondern eher ein Posten auf der Packliste, den man immer benötigt, aber gerade wenn die Touren länger werden, bedarf es auch deutlich mehr Punkte im Erste-Hilfe-Set. Vergessen sollte man aber auch hier wieder nicht, dass man nicht jedes Verbandsmaterial, was man nur irgendwie findet, direkt mitzunehmen. Man sollte auch hier schauen, wohin geht die Tour, wie ist dort die mögliche Erstversorgung gegeben, was brauche ich überhaupt und was wäre übertrieben. Zeckenzange, Mullbinden, Pflaster und etwas gegen Blasen am Fuß sollten aber egal wohin die Reise geht, sich stets in der Tasche befinden. Auf die umschließende, seperate Tasche kann man bei vielen Rucksäcken getrost verzichten, da diese unterm Deckel eine eigene Tasche für das Verbandsmaterial bieten.

Funktionskleidung

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Kunstfaser oder Wollle, für uns eine Glaubensfrage mit der Überzeugung, das Merinowolle auf Tour angenehmer ist. Kunstfasershirts oder Longsleeves neigen meist schon nach kurzer Zeit dazu, den Wunsch nach einer Wäsche zu verkünden. Regenjacke und Regenhose gehören zum absoluten Pflichtprogramm, diese können anders als die übrige Bekleidung auch schon mal in die Netztaschen vom Rucksack gestopft werdern. Die wärmenden Schichten, wie z.B. Daunenjacke oder Longsleeve können zum Schlafsack ins Bodenfach gestopft werden. Statt modisch abgestimmt, richtet man sich unterwegs nach dem Zwiebelprinzip und kombiniert so verschiedene Schichten.

Beispiel für das mehrschichtige System – Das Zwiebelprinzip

  • Funktionsshirt als Baselayer
  • Fleecejacke als wärmende Isolationsschicht
  • Softshelljacker als erster Witterungsschutz gegen Wind und leichten Regen
  • Hardshelljacke als zweiter Wetterschutz gegen starken Regen

Orientierung mit Kompass-App

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Unterwegs sich orientieren, geht klassisch per Karte und Kompass oder elektronisch via GPS-Gerät. Nicht zu verachten sind jedoch die Vorteile der diversen Smartphone-Apps. Aus unserer Sicht inzwischen auf Tour kaum noch als nicht gegeben vorstellbar, die Orientierung via Kartenapp auf dem Smartphone. Seit Jahren steigt die Anzahl der einfachen Kompass-Apps, wobei nun auch die Outdoor-Navigation mit Offline-Karten langsam den GPS-Geräten den Rang ablaufen. Letztendlich verständlich, da wohl die meisten Wanderer Zuhause auch ein Smartphone besitzen und die Anschaffung der GPS-Geräte für diesen einen Zweck oft gescheut werden.

Als nennenswerte Apps präsentieren wir Euch:

KOMPASS Wanderkarte der KOMPASS Karten GmbH – Die erste Karte in der Größe S wäre derzeitig sogar umsonst, so dass Ihr Euch selbst ein Bild davon machen könnt. In der Karte stehen Euch Zoomstufen bis zum Detailmaßstab von 1:12.500 zur Verfügung.

 Fazit

 Richtig Spaß macht eine Wanderung erst, wenn man von einer mehrtägigen Wanderung spricht und dies schön mit dem Nächtigen in Zelt und Schlafsack einhergeht. Für das Übernachten im Freien haben wir Euch die ein oder andere Ausstattung präsentiert und u.a. in Form des Videos von Deuter Tipps zum Packen gegeben. Beachten sollte man jedoch, dass nicht nur in Deutschland das Wildcampen verboten ist. Nun kann man sich zwar über die Abschreckung der jeweiligen Strafen streiten, vor Eurer Tour solltet ihr Euch jedoch über die aktuelle Rechtslage informieren bzw. was spricht gegen die „legalen“ Trekkingplätze, die es bereits in Deutschland gibt?

Wir hoffen, dass wir Euch ein paar Anregungen gegeben haben.