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In einigen Wochen darf Frederik endlich wieder nach Hause gehen. Doch der Schreiner aus Linz am Rhein denkt gar nicht daran. „Ein halbes Jahr werde ich wohl noch dranhängen“, erzählt er. Auch Sören, der aus Bremen stammt und sich seine Brötchen als Landschaftsgärtner verdient, ist schon über zwei Jahre auf Wanderschaft. „Bei mir war schon im ersten Lehrjahr klar, dass ich das später machen werde“, erzählt er.

Auch Soeren (rechts) und Frederik (links) setzten ihre Wanderschaft mit neuen Meindl-Schuhen fort. Heinz Franke überreichte diese. Foto: Brenninger/Meindl

Auch Soeren (rechts) und Frederik (links) setzten ihre Wanderschaft mit neuen Meindl-Schuhen fort. Heinz Franke überreichte diese. Foto: Brenninger/Meindl

Die beiden Gesellen gehen damit einem guten alten Brauch nach. Die Wanderschaft war seit dem Spätmittelalter eine der Voraussetzungen für den Gesellen, die Prüfung zum Meister beginnen zu dürfen. Um als Fremdgeschriebener – so wird der Handwerker, der sich auf Wanderschaft befindet, bezeichnet – die Welt bereisen zu können, müssen einige Bedingungen erfüllt werden. Auf die Wanderschaft darf etwa nur gehen, wer die Gesellenprüfung bestanden hat, ledig, kinderlos und schuldenfrei ist. Der Wanderer, der in der Öffentlichkeit eine spezielle Kluft tragen muss, darf in seiner Reisezeit einen Bannkreis von 50 km um seinen Heimatort nicht betreten. Er darf kein eigenes Fahrzeug besitzen, er geht zu Fuß oder bewegt sich per Anhalter fort.

Yannis (links) freute sich über seine neuen Haferlschuhe, die er von Meindl-Mitarbeiter Heinz Franke bekommen hat. Sein altes Paar nahm er als Andenken aber mit. Foto: Brenninger/Meindl

Yannis (links) freute sich über seine neuen Haferlschuhe, die er von Meindl-Mitarbeiter Heinz Franke bekommen hat. Sein altes Paar nahm er als Andenken aber mit. Foto: Brenninger/Meindl

Auch Jannis ist auf Wanderschaft. Seine Schuhe haben schon viel mitmachen müssen. „Ich bin so zufrieden damit, dass ich sie schon vier-, fünfmal neu besohlen habe lassen“, erzählt Jannis bei seinem Besuch bei der Lukas Meindl GmbH & Co.KG in Kirchanschöring und zieht seine schwarze weite Schlaghose etwas hoch. Zum Vorschein kommen schwarze Haferlschuhe – es sind echte Meindl-Schuhe. „Genau solche hätte ich gerne wieder“, sagt der gebürtige Karlsruher und bittet Geschäftsführer Lukas Meindl mit dem Spruch der Weitgereisten um neue Schuhe. Der Firmenchef kommt dieser Bitte gerne nach. „Bei den Wanderern sind wir ja schon eine gute Adresse“, sagt Lukas Meindl. Schuhmachermeister Heinz Franke hat für Jannis gleich die richtigen Schuhe parat. „Haferlschuhe wollte von den Wanderern bisher noch niemand“, erzählt er. Doch Jannis möchte auch sein drittes Jahr auf Wanderschaft mit Meindl-Haferlschuhen bewältigen.

Auch die anderen beiden Wanderer nehmen die Gastfreundschaft gerne an, ihre Schuhe sind doch schon sehr in Mitleidenschaft gezogen. Winterschuhe suchen sie sich beide aus, damit sie die kalten Tage gut überstehen. Die Zeiten auf Reisen sind nicht immer leicht. „Manchmal sehnt man sich einfach nach einem eigenen Raum“, sagt Sören. Einfach nach ein wenig Privatsphäre. „Wir sind als Gäste aber sehr oft willkommen“, ergänzt Frederik. So auch bei Meindl. Firmenchef Lukas Meindl freut sich immer über Besuch: „Das ist ein sehr guter Brauch. Das gefällt uns“, betont er. „Wir machen das gerne, weil wir ja auch ein Handwerksbetrieb sind“, sagt Lukas Meindl.

Gut ausgerüstet machen sich die Wanderer dann wieder auf den Weg. Wohin ihre Reise geht? „Mal schaun“, sagt Frederik. Nur eines weiß er ganz genau: Nach Hause zieht es ihn nicht so schnell. „Man kann auf Wanderschaft viel lernen und viel mitnehmen.“  Auch Yannis schnürt nach einer kurzen Pause seine Habseligkeiten wieder zusammen und zieht weiter. Sein altes Paar Schuhe nimmt er mit – als Erinnerung quasi. „Mit denen habe ich schon so einiges erlebt.“ Seine neuen Meindl-Schuhe werden in ein paar Jahren ebenfalls viel zu erzählen haben.

Bilder & Quelle: Meindl